Normalität ist eine Illusion. Das Wort soll uns beruhigen, doch dahinter verbirgt sich eine komplexe Realität. Während die Medizin neue Diagnosen erfindet, um Symptome zu verwalten, bleiben die systemischen Ursachen unserer Leiden unangetastet.
Nehmen wir die Debatte um das Bargeld. Man verkauft uns die Abschaffung als Schlag gegen das Verbrechen. Doch der wahre Betrug findet digital statt: Wenn Konzerne Umsätze jenseits der staatlichen Bruttoinlandsprodukte erzielen und ihre Gewinne steuerfrei durch Europa schleusen, fragt niemand nach der Gerechtigkeit. Das ist der blinde Fleck unserer Gesellschaft.
Wir leben in einer Matrix aus Leistung und Konkurrenz. Dass sensible Seelen darauf mit Trauer reagieren, ist kein Zeichen von Krankheit, sondern ein Zeichen von Wachheit. Es ist nicht normal, ein zerstörerisches Wachstumsmodell als alternativlos zu akzeptieren.
Überall sehen wir die Verschmelzung der Macht: Banken und Lebensmittelriesen werden eins. An der Tankstelle wird uns mindere Qualität als ‚Service-Plus‘ verkauft, während ein Mitarbeiter die Arbeit von dreien erledigt. Das ist kein Fortschritt – das ist Ausbeutung.
Hören wir auf, so zu tun, als wäre das alles in Ordnung. Die Trauer über den Zustand der Welt ist der Beginn der Heilung. Wer die ‚neuen Kleider des Kaisers‘ als das erkennt, was sie sind – nämlich nichts –, der hat den Weg der Bewusstwerdung bereits eingeschlagen.
Neueste Kommentare